14.12.2018

Erster Eindruck - das M1 Spitzing Evolution 2019 im Test

Nach unserem TQ Höhenmetertest folgt nun der Testbericht zum Spitzing Evolution 2019.
Das Spitzing Evolution der bayerischen Bikeschmiede M1  Sporttechnik ist wahrlich ein spektakuläres eMountainbike. Ausgestattet mit dem TQ HPR 120S Mittelmotor verfügt es über einen der stärksten Serien-Pedelecantriebe auf dem Markt. Dieser leistungsstarke Antrieb, mit einem Drehmoment von 120 Nm, welcher aus einem 880 Wh Akku gespeist wird, lässt aufhorchen und erregt das Interesse. Ich konnte den brandneuen Prototypen in den vergangenen Wochen fahren und berichte in diesem Artikel über die ersten Erfahrungen mit diesem Bike und seinem Antrieb.


Das Besondere am M1 Spitzing Evolution


Der größte Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Spitzing Evolution ist die Akkuposition.
M1 Spitzing der ersten Generation 2015
M1 Sporttechnik hat bereits seit vielen Jahren Erfahrung bei der Konstruktion von leistungsstarken eMountainbikes. Bereits 2015 auf der Eurobike war das M1 Spitzing ein wahrer Blickfang, da es seiner Zeit mit einer durchaus spektakulären Ausstattung, Optik und starken Leistungsdaten daherkam. Prägend für dieses Bild waren in erster Linie der riesige 880 Wh Akku, welcher in der ersten Generation des Spitzings zunächst in externer Form unter dem Unterrohr seine Position fand.

Als Mittelmotor kam bereits damals der Antrieb von TQ zum Einsatz, welcher auf einer Betriebsspannung von 48 Volt basiert und mit spektakulären 120 Nm Drehmoment aufwartet. Neben diesen eBike-Komponenten fällt der Rahmen in Vollcarbon-Bauweise auf, welcher ein vollgefedertes Fahrwerk bietet, das auf breiten und traktionsstarken Plus-Reifen steht.
Fahrgefühl, Motorleistung und Ausstattung des Spitzing Evolution 2019.
M1 Spitzing Evolution  - das 2019er Modell ist deutlicher schlanker bei gleicher Leistung

Spitzing oder Spitzing Evolution?

In 2019 kam nun eine optimierte Form des Spitzings auf den Markt, welches auf den Namenszusatz „Evolution“ hört. Dabei ist es seinen Kernmerkmalen, also dem Carbonrahmen, den breiten Plus Reifen, einem leistungsstarkem Antrieb, sowie dem großen 880Wh Akku treu geblieben. Das Spitzing Evolution bietet nun aber ein modernes und aufgeräumtes Erscheinungsbild, da das 84 Zellen (18650er Zellen) starke Akkupack in das Unterrohr integriert ist.

Der Federweg des vollgefederten Fox Fahrwerks gibt in Front und Heck satte 160 mm Spielraum für Vorder- und Hinterrad frei. Damit wird der Einsatz im anspruchsvollen Gelände unterstrichen.
Die weiteren Ausstattungsdetails hatten wir jüngst in der Fotostrecke zu diesem Bike ausführlich beschrieben, welche am Ende dieses Artikels verlinkt ist.


Spitzing Evolution: erster Eindruck aus der Praxis

Beim ersten Aufsteigen auf dieses Bike wird eine Eigenschaft sofort deutlich – trotz Carbonrahmen gehört das Spitzing Evolution nicht zu den leichtesten eMountainbikes auf dem Markt.

Klar, solch ein leistungsstarker Antrieb wie der TQ 120S braucht viel Energie und so macht es absolut Sinn einen großen und in der Konsequenz entsprechend schweren Akku mit sagenhaften 880 Wh ins Spiel zu bringen. Wie bereits mehrere Fahrten über unsere 1.000 Hm Strecke belegten, bleiben so noch reichlich Reserven, womit die berühmt-berüchtigte Reichweitenangst auf dem Spitzing Evolution absolut keine Rollen spielt.
Dies bringt es jedoch mit sich, dass das Spitzing Evolution auf ein stattliches Gewicht von 27,15kg kommt.


Der Antrieb im Spitzing Evolution: TQ HPR 120S

Über die Lenkerfernbedienung am rechten äußeren Ende des Lenkers lassen sich leicht erreichbar die fünf Unterstützungsstufen wählen. Diese teilen sich in folgende Stufen:

Über die Lenkerfernbedienung lassen sich die 5 Unterstützungsstufen des TQ Antriebs regeln.

  1. Range-Extender 45 %2 – Eco 45%
  2. Tour 110%
  3. Sport 195%
  4. Power 550%




Somit steht für jeden Bedarf eine passende Stufe zur Verfügung. Allerdings ist es bei diesem Bike natürlich am spektakulärsten die maximale Power abzurufen und so nahezu unabhängig jeder Steigung permanent an der 25km/h Schwelle zu fahren.

Der innere, gefühlte Widerstand des Antriebs beim Pedalieren ist spürbar, jedoch im Rahmen des akzeptablen. Wie bereits erwähnt, liegen die Stärken bei diesem Antrieb ganz klar auf der großen Motor-Power, da liegt es dann eher fern das Bike „untertourig“ zu fahren – ein Porsche will ja auch getreten werden!


Das Spitzing Evolution auf dem Trail


Die Konstruktion des eMTBs wirkt sich entsprechend auf die Fahreigenschaften im Gelände aus. So fällt auf, dass das Spitzing Evolution unglaublich gut im Federweg liegt. Klar, mit 160 mm in Front und Heck steht hier ordentlich was zur Verfügung – bei einem SAG (Negativfederweg) von etwa 30% arbeitet das Fox Fahrwerk bestehend aus einer 36er Float Gabel aus der Performance Linie und einem DPX2 Dämpfer butterweich und schafft so viel Traktion auf ruppigen Trails. Die an unseren Prototypen gerüsteten breiten 3“ Schwalbe NobbyNic Reifen ergänzen das Ganze durch die große Eigendämpfung.

Lediglich beim Abspringen von Sprüngen vermisse ich aus der Gabel etwas den „Pop“ um das Bike aktiv aus dem Absprung zu bewegen. Entsprechend schnell zieht es das Bike leicht frontlastig wieder zur Landung hin.
Unser Testbericht vom Spitzing Evolution 2019, getestet auf dem Trail!
Beim kleinen Sprüngen wie hier wird viel Energie absorbiert 

Die Agilität im Trail ist angenehm, was vor allem an der ausgewogenen Rahmengeometrie des Carbon-Rahmens liegt. Das Verschieben des Körperschwerpunkts aus der Sitzposition heraus ist intuitiv umsetzbar und erlaubt viel Bewegungsspielraum bei der Balance-Gestaltung.
Dies ist mitunter zeitweise auch nötig, da das Spitzing Evolution im Gelände sehr aktiv gefahren werden will – verlässt es einmal die Wunschlinie, so erfordert es ein wenig Arbeit, den Gaul wieder auf die gewünschte Spur zu bringen.

Auf dem Trail und auf der Waldautobahn ist das Spitzing Evolution ausgewogen und bietet viel Traktion.
Das M1 Spitzing Evolution will sehr aktiv gefahren werden, in Anlieger braucht es Kraft und Erfahrung


So fährt sich der TQ HPR 120S Antrieb

Was die Kraftentfaltung des Antriebs angeht, so ist dies ein bis dahin unbekanntes Erlebnis. Wie ihr bereits im Video zu meiner Fahrt auf den Kandel am Rande des Südschwarzwaldes erleben konnten, bricht der Vorschub selbst bei Steigungen von etwa 20% kaum ein. Dazu kommt, dass die Leistungsentfaltung selbst unter Dauerlast permanent vorhanden bleibt – Wahnsinn!
An dieser Stelle wird deutlich, warum M1 hier einen großen 880  Wh als Mindestmaß in diesem Bike verbaut – optional stehen sogar 1050 Wh zur Verfügung!

Wer das Spitzing Evolution in dem Leistungsbereich bewegen will, für welches es konzipiert ist, braucht entsprechende Energiereserven, so waren nach der Fahrt über 1.000 Hm und einer Strecke von 12 km etwas mehr als die Hälfte der Akkukapazität verbraucht. Bleiben also genug Reserven, um der Reichweitenangst aus dem Weg zu gehen. Damit hat das neue Spitzing Evolution eine gute Balance aus Einsatzzweck und Ausstattung.


Weitere Besonderheiten des Spitzing Evolution

In diesem Zusammenhang seien vielleicht noch kurz die speziellen Magura MT5 Bremsen und ihre Funktionsweise erwähnt. Die Vierkolben MT5 Stopper sind bereits seit einigen Jahren auf dem Markt und haben sich bewährt, da sie ein sehr attraktives Preis- Leistungsverhältnis bieten. Die Bremsperformance ist durch die großen Bremsbeläge, welche die Vierkolben-Technik mit sich bringt, ausgesprochen gut, die Wartungskosten für neue Beläge überschaubar. Der Verschleiß ist bei solch einem Bike natürlich etwas größer, da Motorleistung und Gewicht ihren Tribut zollen. Hier sei erwähnt, dass eine große 200er Scheibe im Heck sicherlich sinnvoller wäre als die kleinere 180er Variante, wie sie in unserem Fall montiert war. Ein weiteres sinnvolles Feature sind die Kontaktschalter in den Bremshebeln, welche bereits bei leichter Betätigung die Motorunterstützung unterbrechen und so bei filigranen Fahrsituationen, wie beispielsweise in Spitzkehren, eine sichere Handhabung ermöglichen.

Die Vierkolben Magura Bremsen mit einem elektronischen Schalter im Bremshebel sind eine Besonderheit.
Vollgas im Gelände - die Stärke dieses eMountainbikes

Test-Fazit: M1 Spitzing Evolution 2019

Das M1 Spitzing in der neuen „Evolution“ Version ist wahrlich ein spektakuläres eMountainbike, da der TQ HSP 120S Mittelmotor mit seinem 120 Nm eine unglaubliche, bis dahin nicht erfahrene, Power entwickelt. Dazu kommt, dass der Rahmen mit dem integrierten 880 Wh Akkupack nun deutlich aufgeräumter in Erscheinung tritt und das Gesamtbild somit deutlicher, schlankerer und sportlicher ist.

Der Vollcarbon-Rahmen verfügt über eine ausgewogene und auf den Endurobereich ausgelegte Rahmengeometrie mit sehr bequemer, da aufrechter Sitzposition. Das 160 mm Fox-Fahrwerk liegt satt im Federweg und arbeitet mühelos alle Unebenheiten ab.

Beim Ausritt ins Gelände benötigt es vom Biker sicherlich etwas Erfahrung, denn der Umgang mit dieser Motorpower sowie dem hohen Gewicht will gelernt sein.
Letztendlich ist das Preis-Leistungsverhältnis mit rund 7699€ für diese Basisversion durchaus interessant, denn es wird ordentlich etwas geboten – Carbonrahmen mit sehr ausgewogener Geometrie und entsprechendem Fahrgefühl, starker TQ Antrieb, ein 880 Wh Akku sowie eine solide, dazu passende Komponenten-Auswahl bilden die Grundsubstanz.

Wer auf der Suche nach einem eMTB mit maximaler Leistung, ist muss hier quasi zugreifen!

Mein Fazit: Wer höchste Motorpower möchte, muss beim Spitzing Evolution zugreifen!

Mache mit deinem Wunsch eMTB eine kostenlose Probefahrt bei e-motion.


Fotos: Hieronymus Gottschaldt

Datum der letzten Änderung 14.12.2018
Autor WillLee

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