24.07.2018

eMTB Antriebe 2019 im Überblick

Kurz vor der Eurobike haben zahlreiche Hersteller der breiten Öffentlichkeit ihre Neuheiten präsentiert. Das meiste Interesse wecken da - neben neuen Modellen - auch immer die Antriebe und Antriebskomponenten. An dieser Stelle möchten wir einen kurzen Überblick geben, was sich im eBike-Antriebsmarkt in der Saison 2018/2019 so getan hat und worauf ihr euch freuen könnt!

Mittelmotoren dominieren das Bild des modernen Pedelecs. Der Wechsel vom klassischen Nabenmotor hin zum effizienteren Tretlagerantrieb zeichnete sich bereits 2010 mit Einführung des Bosch Classic+ ab. Waren bis Dato Hecknaben-Antriebssysteme der Standard in der noch jungen und überschaubaren Pedelec-Welt, so überzeugten Mittelmotoren fortan durch eine günstige Gewichtsverteilung im Fahrrad sowie einer besseren Energienutzung durch die interne Übersetzung im Antrieb zwischen Tretlagerachse und Elektromotor.

Heute haben Nabenmotoren ein Nischendasein, die Entwicklung bewegt sich primär im Bereich der eBike Mittelmotoren. So, los geht es mit den neuen Motoren von Brose, Shimano und Bafang. Dem TQ werden wir einen eigenen Beitrag widmen.

Brose Drive S Mag 

Nachdem Brose im vergangenen Jahr die optimierte Version 1.3 auf den Markt brachte, gibt es nun eine weitere Entwicklungsstufe des vor allem in eMTBs verbauten Antriebs.
Mit dem Drive S Mag bekommt die Produktfamilie Brose Drive einen vierten Antrieb.
Durch ein innovatives Magnesiumgehäuse ist er 15 Prozent kleiner sowie 500 Gramm leichter als die bisherigen Varianten und erzielt eine noch höhere Leistungsdichte.
Eine weitere Optimierung der Software und eine neue Elektronik ermöglichen eine Unterstützung von 410 Prozent. Die Maximalleistung von 90 Newtonmeter lässt sich über einen größeren Bereich hinweg abrufen.

Der Brose Drive S Mag ist kleiner, leichter und stärker als der Drive S Alu.
Die neue Brose S Mag Antriebseinheit mit Vielzahn Achse zur Kurbelaufnahme

„Mit dem Brose Drive S Mag erfüllen wir die Ansprüche sehr sportiver E-Biker.
Gleichzeitig unterstützen wir die Hersteller dabei, das Fahrradgewicht weiter zu reduzieren.
So können sie den Trend zu leichteren E-Bikes vorantreiben“, erklärt Dr. Joachim Volland, Leiter Brose Antriebstechnik.

Größenvergleich vom Brose drive S Alu und Drive S Mag.
Im direkten Vergleich: links der Brose Drive S Alu, rechts der neue Drive S Mag.

Innovativer Fahrmodus „Flex Power Mode“ 

Der Drive S Mag ist mit einer zusätzlichen Unterstützungsstufe ausgestattet.
Hier kombiniert Brose zwei neue Softwarefeatures: Durch die Drehmoment- und Drehzahlgesteuerte Unterstützung Cadence Power Control (CPC) können E-Biker bei hohen Kadenzen bis zu 30 Prozent mehr Leistung nutzen. Die neuentwickelte, pedalabhängige Unterstützung Progressive Pedal Response (PPR) liefert ein noch schnelleres Ansprechverhalten. „Die unmittelbare Leistungsabgabe des Brose Drive S Mag ermöglicht ein agileres Anfahren am Berg und ein noch spritzigeres EMTB-Fahrerlebnis. Mit diesem ‚Leichtgewicht‘ meistern E-Biker auch steilste Anstiege und extreme Herausforderungen souverän“, betont Volland.

Brose: neues Händler-Tool

Neue Wege geht Brose mit einer eigens entwickelten digitalen Anwendung für Händler und Werkstätten. Das neue Service Tool ermöglicht künftig eine schnelle sowie präzise Diagnose und  Wartung von Antrieben. Das Besondere an dem Handlertool: Die Motorkonfiguration kann beliebig oft umgestellt werden, vor einer Alpentour beispielsweise können die Unterstützungsstufen mit mehr Power versehen werden, zurück im Alltag wechselt man wieder in die Standardeinstellung. Eine Testversion wurde auf der Eurobike vorgestellt, die Einführung ist Mitte 2019 geplant.

Im neuen Brose Händlertool können die Unterstützungsstufen angepasst werden.
Einfache Konfiguration der Unterstützungsstufen im Brose Händlertool.

Daten zum Brose Drive S Mag

Drehmoment - 90 Nm
Unterstützung - 410 %
Gewicht - 2,9 kg

(Herstellerangaben)



Shimano E-7000
Auch Shimano einen neuen Antrieb im Portfolio, welcher sich zwischen den bestehenden Modellen STePS E-6000 und dem E-8000 ansiedelt. Dementsprechend ist die Namensgebung mit E-7000 logisch nachvollziehbar und daher leicht einzuordnen.
Ausgelegt ist das neue 7000er Modell auf die Zielgruppe der sportlichen eRadler wie eMountainbiker oder Tourer in bergiger Topografie.

Für leichte Touren mit weniger Kraft aber mehr Reichweite als der E8000: der Shimano E7000.


Der Shimano E7000 ist nicht nur leichter als sein bekannter großer Bruder, er arbeitet auch mit weniger Geräuschentwicklung und soll über der 25 km/h-Grenze weniger spürbaren Motorwiderstand haben.

Shimanos neuer E-7000 Antrieb hat die gleichen Befestigungspunkte wie das 6000er  & 8000er Modell 


Die Begleitelemente des eigentlichen Antriebs kommen im Vergleich zur E-8000 Serie etwas reduziert daher. Die Bedieneinheit am Lenker ist ein klassischer Multi-Taster, das Mini-Display ist nun mit einer einfachen schwarz/weis Anzeige ausgestattet.
Funktionell sind nahezu alle Gegebenheiten des großen 8000er Modells vorhanden. So gibt es die bekannten drei Unterstützungsstufen, welche über die Smartphone App einfach angepasst werden können. Über die Ant+ und Bluetooth Schnittstelle lassen sich ext, Geräte wie Pulsmesser in das Shimano eBike System integrieren.

Das neue Display für den Shimano E7000 ist kompakt und intuitiv.

Die Bedienelemente für den E7000 wurden komplett überarbeitet.
Das neue Display aus der E-7000 Serie (oben) und die Bedieneinheit am Lenker zur Anwahl der wichtigsten Funktionen


Mit dem Wireless Modul EW-ES100 lassen sich die eBike-Fahrdaten auf ext. Displays wie etwa klassische Smartphones oder bestimmte Navigationsgeräte anzeigen. Dies sorgt für ein aufgeräumtes Cockpit und spart Gewicht.

Bei der Akkukapazität gibt es Varianten zwischen 418 Wh und 504 Wh, erhältlich sind diese sowohl als externe wie auch als Interne Variante.

Video zum Shimano STEPS E-7000



Daten zum Shimano STEPS E-7000


Drehmoment - 60 Nm
Leistung - 500 Watt in der Spitze,
Gewicht - 2,8kg
(Herstellerangaben)


Bafang M800 Mini-Mid Drive System
Der vor allem im asiatischen Raum weit verbreitete Chinesische Hersteller Bafang, hat gleich einige neue Motoren am Start. In Europa konnte Bafang noch nicht richtig Fuß fassen, obwohl die Antriebsysteme durchaus Potenzial haben, wie der Sieg des Team Bafang beim 24h Rennen am Nürburgring 2015 beweisen konnte.

Für uns sportliche Pedelec-Biker dürften hier vor allem ein Modelle interessant sein - das kleine Bafang M800 Mini-Mid Drive System.

Der neue ultrakompakte Mittelmotor M800 wiegt weniger als 2,3 kg. Mit einer Nennleistung von 200 Watt und einem maximalen Drehmoment von 55 Nm ist der Antrieb auf optimale Leistung beim Anfahren und Beschleunigen sowie auf kurze Sprints und steile Anstiege und weniger für kontinuierliche Unterstützung abgestimmt.
Einschließlich Elektronik und dem 200Wh-inTube-Akku liegt das Gesamtgewicht des Systems bei weniger als 4,4 kg, inkl. Display und Bedieneinheit.
Die Tretunterstützung umfasst fünf Stufen - gesteuert durch einen oder zwei kleine Schalter, die individuell am Lenker platziert werden können.

Sportlicher Einsatzbereich - im eRennrad verbautes Bafang System

Die Geschwindigkeitsbegrenzung kann je nach Einsatzregion auf 25km/h, 32 km/h oder 45 km/h eingestellt werden.
Wo auch immer die jeweilige Unterstützungs-Grenze liegt - am wichtigsten ist, dass bei Erreichen des Limits die Antriebseinheit in einen fast widerstandsfreien Betrieb übergeht.
Damit soll die Tretkraft des Fahrers jenseits der Grenzgeschwindigkeit nicht beeinträchtigt.

Daten zum Bafang M800 Mini-Mid Drive System

Leistung - 200Watt/55Nm
Gewicht - 2,3kg (4,4kg System)
(Herstellerangaben)

Weitere Links zum Thema:
- Herseller Brose
- Hersteller Shimano


Zuletzt aktualisiert am10.07.2018

Verfasst von WillLee

1 Kommentar:

  1. Prima Bericht, für mich bleiben ein paar Fragen:
    Aber vorweg: Der Hinterrad-Naben-Antrieb hat durchaus noch seine Berechtigung für Straßen-Fahrer/Pendler: Weniger Ketten-(Rad/Ritzel)Verschleiß plus Rekuperation und dadurch auch geringerer Bremsenverschleiß! Allerdings rumpelts dann nach einem Schlagloch an der Hinterachse richtig heftig und beim E-MTB is aber sowas von gar nix mit Hinterrad versetzen :-(
    1. So wie es scheint, erfordert der Brose Drive S Mag durch die kleinere Baugröße eine andere Rahmenaufnahme (Befestigungspunkte), oder? Bisher war ich bei Testfahrten am Berg unter Vollast maßlos enttäuscht, wenn der neue Motor endlich mal zu einem Bosch Performance oder sogar Performance CX aufschließt, dann: Chapeau!
    2. Shimano E 7000 ist für uns E-MTB'ler sehr interessant: Wie beschrieben leichter und leiser, aber v.a.: K Ü R Z E S T E Kettenstreben im Vergleich aller E-Antriebe, klasse!
    3. Bafang: Bin ich sehr gespannt, ob dieser Hersteller...
    a) Qualitäts-/Reklamations-/After-Sales-Ansprüche der europäischen Kunden und Hersteller mit 24-Monats-Gewährleistung hinbekommt, da ist Bosch ja momentan der Marktführer, auch die Fahrrad-Werkstätten haben den besten Service!
    b) Habt Ihr die Power-Variante auf der Eurobike auch angesehen? Leistung liegt anscheinend auf Augenhöhe mit dem TQ-Motor, laut einem Entwickler sogar drüber!
    --> Freu mich schon auf den Bericht bzw. evtl. Vergleich der Motoren (TQ Haibike und adäquater Motor Bafang)
    Macht weiter so und mit sportlich-elektrifiziertem Gruß!

    AntwortenLöschen