22.06.2017

Erster Eindruck: Unterwegs mit dem Specialized Turbo Levo FSR Comp CE 6Fattie

In den letzten Wochen sind wir das Specialized Turbo Levo FSR in der mittleren Ausstattungsvariante intensiv gefahren und haben dabei mehrere Hundert Kilometer sowie zig Tausend Höhenmeter damit zurückgelegt. Daneben haben wir eine Fahrt über unsere 1000 Höhenmeter Distanz dokumentiert und in einem Artikel festgehalten. Nun ist es also an der Zeit, dieses Bike etwas genauer zu beschreiben und die dabei gewonnen Erfahrungen transparent zu machen.


Specialized geht mit der Turbo Levo eMountainbike Serie einen eigenen Weg und hat dabei eine ziemlich genaue Vorstellung wie ein eMTB auszusehen hat und zu fahren ist. So ist bereits auf den ersten Blick erkennbar, dass das Brose Antriebssystem mit seinem Mittelmotor und dem 460Wh Akku komplett in den Rahmen integriert sind. Kommt man dem Bike näher, so fällt dazu passend das saubere Cockpit auf - keine Armaturen zieren den Lenker welche an ein eBike erinnern könnten.
Specializied baut ein eMountainbike welches optisch so unauffällig wie nur möglich sein soll.



Der Antrieb

Es ist daher kein Wunder, dass man sich beim Antrieb für das Brose System entschieden hat. Der Mittelmotor ist im Teillast Betrieb kaum zu hören, flüstert höchstens mit einem leichten Surren und signalisiert damit die in drei Stufen frei wählbare Unterstützung beim Pedalieren.
Unter Volllast jedoch wird der Antrieb dann schon etwas lauter, so dass hier der Kanon aus Riemen- und Motorsurren deutlich zu hören sind.
Weiteres Indiz für die MTB nahe Entwicklung sind die Freilauf Eigenschaften des Brose Antriebs. Dies wird vor allem im leichten Gefälle, wo die 25km/h Grenze schnell erreicht ist, sehr deutlich. Ohne Mühe lässt sich das Levo im Trail locker auf über 30km/h beschleunigen und halten. Dabei sind keine Antriebseinflüsse durch den entkoppelten Mittelmotor zu spüren, es fühlt sich sehr natürlich an das Bike in diesem Bereich zu bewegen.

Über die Specialized "Misson Control" Applikation für Smartphones lassen sich unter anderem die drei Unterstützungsstufen nahezu frei definieren. Im Betrieb entfaltet der Antrieb seine Kraft sehr natürlich und harmonisch, eben wieder passend zum Gesamtkonzept. Der Brose ist sicher nicht der stärkste Antrieb auf dem Markt, dennoch fährt er sich vor allem im Specialzied Bike sehr angenehm und zeigt dabei eine Menge positiver Eigenschaften wie bereits genannt.
Im Zusammenspiel mit dem 460Wh Akku, welcher entnehmbar im Unterrohr untergebracht ist, ergibt sich hier ein durchaus effizientes System welches in Punkto Reichweite (Strecke & Höhenmeter) ohne Probleme mit den anderen auf dem Markt zur Verfügung stehenden Einheiten mithalten kann.

Unter längerer Volllast hat sich gezeigt, dass der Antrieb sehr warm werden kann. Bei unserer Fahrt über 1000Hm auf einer Strecke von knapp 12 Kilometer erreichte der Antrieb hier bis zu 86°C. Dem Empfinden nach, wurde die Motoruntersützung nach 600 Höhenmeter kurzzeitig dynamisch reduziert um den Antrieb nicht noch weiter zu erhitzen. Dies ist natürlich ein extremes Beispiel.
In der alltäglichen Praxis auf den Fahrten hier im Südschwarzwald sowie am Lago Maggiore war von dieser Leistungsreduzierung nichts zu spüren. Im klassischen Tourbetrieb wurde dabei zumeist eher eine niedrige oder mittlere Unterstützungsstufe gewählt um mit einer Akkuladung möglichst weit zu kommen.

Es zeigt sich also, das Specialized Turbo Levo ist kein eMountainbike mit welchem man permanent Vollgas bergauf fährt. Hierzu ist der Antrieb nicht ganz so kraftvoll und ausdauernd. Dies bedeutet nun freilich nicht, dass es nicht möglich ist mit maximaler Untersützung steil der Berg hinauf zu fahren - die Stärken des Brose Antriebs liegen klar in der natürlichen Kraftentfaltung sowie dem geringen inneren Widerstand außerhalb des Unterstützungsbereichs sowie dem unauffälligen Auftreten in Punkto Akustik und Optik.

Über das Heck abdrücken klappt mit dem Levo super. 

Das Bike
Um es kurz zu machen - das Turbo Levo FSR fährt sich richtig, richtig gut. Hier passt einfach alles zusammen, eine bedachte Rahmengeometrie welche das Bike trotz der Plus Reifen sehr agil erscheinen lässt. Dazu eine Kettenstrebenlänge, welche nicht zu kurz ist um auch bei saftigen Anstiegen jenseits der 20% die Motorpower zielgerichtet in Vortrieb umzuwandeln ohne dass dabei die Front zu schnell steigt. Insgesamt ein sehr gut ausbalanciertes Mountainpedelec auf dem sich jeder sportliche Biker sehr schnell wohlfühlen dürfte.

Bereits beim ersten Aufsteigen fällt auf, dass die Front eher tief gehalten ist. Hierdurch nimmt der Fahrer sofort eine offensive Körperhaltung auf dem Bike ein. Die Hände an den breiten Lenker (750mm), die Ellenbogen fahren dabei seitlich leicht hinaus was den Oberkörper in die richtige Grundposition für ein sportliches, angriffslustiges Trailballern bringt. Ja, das macht Bock, das fühlt sich gut an!

Somit befindet man sich als Biker zentral auf einem perfekt ausbalancierten Bike. Durch die sportliche Sitzposition lassen sich schnell und einfach Gewichtsverlagerungen, wie es das Gelände erfordert, vornehmen. Mal eben schnell hinter den Sattel, weil ein Absatz kommt oder mit viel Druck auf dem Vorderrad in einem Anlieger. Es macht einfach Spaß das Levo zu bewegen und zu sehen wie gut das Bike im Gelände geht.

Obwohl wir mit dem "Comp CE 6Fattie" das Levo FSR in der mittleren Ausstattungsvariante haben, ist die Wahl der Komponenten sehr durchdacht. Die "Purgatory" Plus Reifen haben eine Breite von 3", besitzen dabei jedoch eine sehr runde Kontur mit abgerundeten Flanken was viel dazu beitragen dürfte, dass das Bike trotz der Plus Reifen agil bleibt. Dadurch wird das Einlenken und in die Kurve legen deutlich vereinfacht, die von Plus Reifen bekannte Trägheit minimiert.
Wo ein Plus Reifen, da braucht es natürlich auch eine potente Bremsanlage. Mit dem Vierkolben Model "Guide R" von SRAM und den 200er Scheiben in Front und Heck wird hier alles richtig gemacht - maximale Bremspower um das Potenzial der traktionsstarken Plus Reifen auch voll auszuschöpfen. So muss eine konsequente und durchdachte Komponentenwahl aussehen.

Im Gegenzug spart man etwas bei der Gabel und verbaut das 140mm Modell Yari von Rockshox. Die Performance dieser Gabel ist in Kombination mit den großzügig dämpfenden Plus Reifen jedoch ausgesprochen gut. Feine Unebenheiten werden sowieso vom Reifen aufgenommen, gröbere Schläge übernimmt dann die Gabel. Geht es ganz hart zu, so bietet die Yari reichlich Endprogression um nicht durch zuschlagen. Passt, funktioniert und fühlt sich gut an.

Im Heck werkelt ein klassischer Fox Float Dämpfer und gibt hier ebenfalls bis zu 140mm Federweg frei. Das besondere an diesem Dämpfer ist jedoch die Auto-SAG Funktion. Damit lässt sich der negativ Federweg ohne Mühe schnell und präzise einstellen. Dämpfer aufpumpen, entlastet auf das Bike sitzen und Spezial-Ventil drücken. Fertig.

Das Fahrwerk als solches fühlt sich wie ein klassisches mit 140mm Federweg an. Dies bedeutet, dass charakteristisches Allountain Gelände mit Wurzeln, Absätzen, kleineren Steinen oder Felsen sowie natürlichen Sprüngen genau das sind was der Federweg bearbeiten kann. Darüber hinaus in stark felsigem oder mit grobem Geröll durchsäten Gelände, wie es an den Alpen eher vorzufinden ist, wird es dann deutlich unruhiger. Dennoch bleibt das Bike aufgrund der ausbalancierten Rahmengeometrie und Sitzposition stest einfach zu kontrollieren.  

Die Schaltung besteht aus einer 11fach SRAM GX mit 10 zu 42 Zähnen auf der Kassette. In Kombination mit dem 32er Blatt auf der Tretlagerachse ergibt sich so ein Übersetzungsverhältnis welches für den Berg geschaffen ist. In diesem Detail spiegelt sich erneut das durchdachte Konzept der Turbo Levos wieder.
Steigungen bis zu 25% sind damit, bei der richtigen Linienwahl, absolut fahrbar. Aber auch bergab lässt sich bis 45km/h noch ordentlich treten. Die Geräusche bei den Schaltvorgängen klingen zum Teil sehr brachial, vor allem wenn viel Kraft an der Kette anliegt knallt diese oft auf das nächste Ritzel der Kassette. Defekte gab es keine zu verzeichnen, wie sich das ganze auf Dauer verhält muss sich zeigen.


Sonstiges und Randnotizen


Eine von uns oft verwendete Einstellung
um die maximale Effizienz zu ermöglichen.
Mit der Bluetooth Verbindung zum Levo gab es unter Android 7.1.1 und der Mission Controll Android App in der Version 1.0.3 immer wieder Verbindungsabbrüche. Diese traten quasi immer nach etwa einer Minute auf sobald das Telefon den Lockscreen aktivierte. Somit war es hier nicht möglich Strecken über die Applikation aufzuzeichnen.
Einstellungen am Bike, wie die Feinabstimmung der Unterstützungsstufen, waren über die Anwendung jedoch ohne Probleme möglich und blieben auch erhalten.

Die Kopplung mit Garmin Geräten über den Ant+ Kanal funktionierte selbst mit einem in die Jahre gekommenen Oregon 300 ohne Probleme. Umfangreicher und gezielter lässt sich das Bike mit aktuellen Navigationsgeräten wie dem Garmin Edge 1000 nutzen.

Die Schaltstufen der Motoruntertützung müssen etwas umständlich an der Seite des Unterrohrs über eine + / - Taster angewählt werden. Hier gibt es optional die Möglichkeit über eine kabellose Fernbedienung aus dem Zubehörsortiment die Wahl direkt am Lenker zu ermöglichen.

Während der gesamten Laufzeit gab es keine Defekte zu verzeichnen. Die Reifen wurden mit 1,4 (v) bzw. 1,6bar (h) gefahren um sicher zu gehen, dass es keine Durchschläge gibt.

Das Bike wurde primär von mir (82kg / 1,80m) gefahren, rotierte jedoch auch unter den anderen Redaktionsmitgliedern zum Erfahrungsaustausch.


Kleine Absätze wie diese sind für das Levo FSR ein Kinderspiel


Fazit 
Das Specialized Turbo Levo FSR Comp CE 6Fattie hat mir richtig gut gefallen und es ist ab sofort einer meiner Lieblingsbikes. Vor allem das sportlich agile und gutmütige Fahrverhalten haben es mir angetan, es macht immer wieder unglaublich Spaß diese Kiste durch die heimischen Trails zu ballern.
Die fein durchdachte Auswahl der verbauten Komponenten runden zusammen mit dem aufgeräumten Erscheinungsbild das ganze schlüssig ab. Der Brose Antrieb passt perfekt zu diesem Bike, da man diesen kaum hört, nicht sieht und das Gefühl der Kraftentfaltung sehr harmonisch und natürlich wirkt.
Dazu die Hammer Optik mit dem metallic roten Rahmen und den signalgelben Nuancen, es schaut einfach gut aus.

Ja Levo, ich habe mich ein wenig in dich verliebt - in Zeiten velophiler Polygamie werde ich Dir Nahe bleiben.

Ob im Südschwarzwarzwald....

... oder am Lago Maggiore. Mit dem Turbo Levo FSR macht das anspruchsvolle Touren Spaß.

S1 Trail vom Monte Pian Bello zum Monte Carza




Weitere Links zum Thema
- Fotostrecke - Specialized Turbo Levo FSR Comp CE 6Fattie
- Mit dem Specialized Turbo Levo über 1000 Höhenmeter



Kommentare:

  1. Wieder ein Artikel, der sich sehr gut mit meinen Erfahrungen über knapp 7000 km mit dem Turbo Levo FSR Expert deckt.

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  2. Siehste...der 1000 H-meter Test ist doch nicht immer ausschlaggebend....;-)

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  3. denke der 100hm test ist nicht tageskost! macht ja auch kein sinn!

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  4. Sehr schöner Artikel, vielen Dank. Habe zwar erst 500km mit dem Bike in den Beinen, kann aber allen Punkten nur zustimmen, das Bike ist für mich persönlich einfach traumhaft :-)

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  5. Hi! Toller Bericht!
    Zu den Reifen: die 2.8er von Maxxis sind viel besser als die 3.0er von Spezi! Wechselt man zwischen den 2.4ern und 2.8ern hin und her merkt man auch wieder deutliche Unterschiede: Ein Nachteil der 2.8er, von dem man nur selten ließt, ist das starke Aufstellmoment. Aber daran gewöhnt man sich und die Vorteile des 2.8er überwiegen dann beim E-MTB...
    VG Denis

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