26.06.2017

Zusammenfassung: Bosch eBike Systems 2018

Wie bereits in den vergangenen Jahren um diese Zeit, gibt uns Bosch eBike Systems auf seiner "Sneak Preview"Veranstaltung einen Ausblick auf die Produkte des kommenden Jahres 2018. Größte Überraschung dürfte wohl das ABS System für Pedelecs sein. In Bezug auf diese technische Entwicklung gab es bereits ein großes Medienecho bis hinein in regionale Rundfunkanstalten. Daneben wurden die Gerüchte in Form eines neuen Antriebs sowie eines integrierten Akkusystems bestätigt. In diesem Artikel gehen wir nun nochmals detailliert auf alle Produktpräsentationen näher ein.
In diesem Jahr war die sogenannte "Sneak Preview" Veranstaltung mit einem besonderen technischen wie emotionalen Höhepunkt gefüllt. Nachdem Claus Fleischer (Leiter Bosch eBike Systems) beinahe alle Neuheiten gezeigt hatte wurde im Rücken, unbemerkt von den auf das Geschehen fokussierten Journalisten, ein besonderes Rad in den Präsentationsraum gebracht.
Mit einem "dann haben wir hier noch etwas..." leitet Claus Fleischer die Aufmerksamkeit mit einer Mischung aus "One more thing"-Effekt und einer amüsierten Lässigkeit auf das Trekking Rad mit dem neuen ABS System.
Da war das Staunen der versammelten Berichterstatter groß, die Atmosphäre entsprechend euphorisch.


Aber der Reihe nach...

Mit zunehmender Popularität des Themas Pedelecs und eBikes wird der Rahmen der Berichterstattung in Print- und Rundfunkmedien sowie Online immer größer. So ist es schön zu sehen, dass bei Bosch eBike Systems zunehmend auch immer mehr Online Medienvertreter geladen werden um Einblick in kommende Entwicklungen zu nehmen und damit diese Informationen auf dem schnellen Weg an euch Leser weiter gegeben werden.

Zur Eröffnung der Veranstaltung referierte Boris Palmer, OB Tübingen, mit seiner lässigen und authentischen Art über seine Erfahrungen mit dem S-Pedelec. Dabei ging er auch verstärkt auf die Verkehrsinfrastruktur seiner Stadt ein und erklärte anhand von Fallbeispielen welche Schwierigkeiten sich im Radverkehr auftun, welche Möglichkeiten bereits zur Verbesserung des Fahrradverkehrs beigetragen haben und welche weitere Maßnahmen anstehen.


Dann übernahm, wie oben bereits erwähnt, Claus Fleischer die weitere Präsentation und ging zur Vorstellung der neuen Produkte für das kommende Jahr 2018 über.



Die neue Active Line
Bereits im Vorfeld gab es deutliche Gerüchte, dass ein neuer Antrieb kommen sollte. Nun hat man mit der neuen Active Line einen neuen Mittelmotor im Produktportfolio welcher zum Teil wieder etwas an die Ursprünge des alten Classic+ erinnert.
Die größte Veränderung, welche mit dem komplett neu entwickelten Motor und Getriebe daher kommt ist das große Kettenblatt welches wieder direkt 1:1 mit der Kurbeltätigkeit beim Pedalieren bewegt wird.
Daneben hat sich auf ersten Versuchsfahrten gezeigt, dass der Antrieb sehr leise ist und ohne merkliche, innere Widerstände jenseits der 25km/h Grenze oder bei Fahrten ohne elektrische Unterstützung läuft.
Die Motoraufnahme am Rahmen ist kompatibel zu der bisherigen Norm.
Mit einem Drehmoment mit 40Nm ist die "neue Active Line" in der Leistung etwas reduziert, was vor allem der Reichweite zu Gute kommen soll. Daher ist dieser Antrieb für Fahrten im urbanen Bereich für Alltags- und Gelegenheits- Pedelec-Biker konzipiert.

Active Line Plus
Wer es etwas sportiver mag, für den stellt die Active Line Plus mit 50Nm Drehmoment genügend Kraft zur Verfügung um etwas zügiger voran zu kommen. Hier ist als Zielgruppe der Pendler oder der eRadler in ländlichen Regionen anvisiert.

Die Baugröße ist bei beiden neuen Active Antriebseinheiten gegenüber der Vorgängergeneration um 20% reduziert. Selbstverständlich sind beide Modelle auch mit allen aktuell zur Verfügung stehenden Boardcomputer wie, Intuvia, Purion sowie Nyon kombinierbar.
Die Tretlagerachse ist dazu ebenfalls etwas kleiner im Durchmesser als bisher und ist als Mini-ISIS anzusehen.

Unsere Meinung dazu: Für uns als sportliche Pedelec Biker sind die neuen Antriebsmodelle um die Active Line nun weniger spektakulär. Sicherlich ist es jedoch in jedem Fall sinnvoll bei einer Weiterentwicklung darauf zu achten, dass mechanische Widerstände weitgehend verschwinden und die Akustik im Betrieb minimiert wird. Dies ist, wie auf den ersten Versuchsfahrten erkenntlich wurde, gelungen.






 Hier die alte und neue Active Line im Vergleich - Foto: Bosch eBike Systems



PowerTube 500
Aufgrund der aktuellen Entwicklung mit immer mehr integrierten eBike Systemen musste Bosch hier einfach nachlegen und einen Akkupack bringen der diesem Trend entspricht.
In bewährter 40 Zellen Bauweise gibt es nun die neue PowerTube mit 500Wh. Diese gibt es in zwei unterschiedlichen Bauformen zur Integration in den Rahmen. Je nach Rahmenkonstruktion kann das eine Modell entweder Hochkant oder eben im Gegenzug quer eingerastet werden.
Der Gehäusekörper besteht aus Aluminium, was das ganze Akkupack gegenüber dem Powerpack gleicher Größe etwa 200gr. schwerer macht.
Ein Zwei-Stufiger Riegelmechanismus sorgt für eine sichere Entnahme, welche übrigens prinzipiell horizontal wie vertikal möglich sein wird.
Zur Verwendung kommen sollen die neuen PowerTubes in alle Pedelec Kategorien, sei es City, Trekking oder das eMTB.

Unsere Meinung dazu: Integration der eBike Komponenten wie Antrieb und Akku ist die Gegenwart. Mit der PowerTube gibt es nun von Bosch ein Akkupack mit bewährtem Zellaufbau, welche nach Belieben von den Bike Herstellern integriert werden kann. Wir werden sehen welche kreativen Ansätze und Lösungen hier noch zu Tage kommen und ob sich diese Bauform und die damit verbundenen Eigenschaften von den anderen Herstellern absetzten kann.







Der eMTB Modus
Wurde ebenfalls, wie bereits erstmals auf dem Riva Bike Festival, präsentiert. Hierzu haben wir bereits schon eine Menge berichtet und unsere ersten Erfahrungen damit dokumentiert.
Nochmals kurz: Der eMTB Modus ist eine neue Schaltstufe am Bosch Performance CX Antrieb, welche sich dynamisch zwischen den Stufen Tour und Turbo bewegt. Hierbei reagiert der Antrieb sehr sensibel auf den Pedaldruck, so dass sich ein sehr natürliches, mitunter sogar kraftvolles Fahrverhalten ergibt. Die vier Stufen bleiben weiter vorhanden, staffeln sich nun aber in ECO, TOUR, eMTB, und TURBO.
Dieser wird ab Juli per Update allen CX Bikern zur Verfügung stehen.

- Der eMTB Modus am Bosch Performance CX - So fährt er sich.
- Riva Bike Festival - Tag zwei auf dem Bike

Unsere Meinung dazu:  Eine prima Sache, wie sich bereits in der Praxis gezeigt hat. Im Prinzip braucht es nun nur noch zwei Stufen. ECO für sehr energiesparendes Fahren oder eben den neuen eMTB Modus.



Nyon
Der kleine Boardcomputer mit Navigations- und Fitnessfunktion wird weiter mit Erneuerungen ausgestattet. Im wesentlichen gibt es bei Nyon überabreitetes Kartenmaterial und die damit optimierte Routenplanung.
Passend zur Routenplanung kann die Eingabe des Ziels nun über eine digitale Tastatur mit dem Mini-Stick vorgenommen werden. Dies geht nun wesentlich schneller als bisher.
Weiterhin am schnellsten ist die Wahl des Zielpunkts am Smartphone, welcher dann über die Funkverbindung an Nyon gesendet wird.
Steht die geplante Route, so lässt sich nun zusätzlich das Höhenprofil dieser in einem Diagramm ansehen.

Unsere Meinung dazu: Spätestens seit dem großen Update von August 2016 funktioniert Nyon richtig gut und ist fester Bestandteil unseres Allmountain-Touren eMTB. Daher ist es sehr gut zu sehen, dass die Entwicklung an diesem Gerät trotzdem weiter voran geht. Potenzial gibt es ja sicherlich noch reichlich auszuschöpfen. Diese Softwareentwicklung kostet natürlich Geld und bringt im Gegenzug nur wenig neue Gewinne ein. Wir werden sehen welche Veränderungen das neue Kartenmaterial mit sich bringt.



"dann haben wir hier noch etwas..." - das ABS System für Pedelecs
Eine Zeit lang hatte ich über die Google News Suche das Wort "Pedelec" abonniert, welches mir täglich automatisch Nachrichten mit dem Inhalt "Pedelec" zukommen lässt. Nachdem dann aber irgendwann nur noch Meldungen über Pedelec Unfälle kamen bestellte ich diesen Service wieder ab.

Was war geschehen: Offensichtlich haben die Unfälle mit Pedelecs, den News zufolge, massiv zugenommen. Wenn man sich nun näher mit dem Inhalt dieser Nachrichten beschäftigt wird deutlich, dass hier fast ausschließlich Senioren durch Fahrfehler zu Schaden kommen.

Diese Situation hat Bosch eBike Systems bereits früh erkannt, die Unfälle analysiert und daher seit etwa zwei Jahren an einem ABS System für Pedelecs gearbeitet. Das erste Ergebnis gab es nun auf der Sneak Preview zu sehen und zu erleben.

Ab 2018 wird es das ABS System von Bosch für Pedelcs mit dem eigenen Antriebssystem geben. Zunächst jedoch nur in Flottenverbänden, wie etwa im Tourismus (z.B. Leihräder) oder gewerblichen Einsatz (z.B. Transport) Anwendung finden. Dabei dann zunächst ausschließlich in Trekking- und Citybikes mit 28" Bereifung. Ab Herbst 2018 dann ofiziell in Serie verfügbar wird das ABS System etwa 500€ kosten.

Die Funktion bzw. das Know How der Entwicklung wurde aus dem Motorrad Bereich abgeleitet. Dort hat Bosch bereits seit langem Erfahrung in der Entwicklung und Anwendung von ABS Systemen für motorisierte Zweiräder.

Die Funktionsweise beseht im wesentlichen aus der Überwachung der beiden Laufräder und deren Rotationsgeschwindigkeit. Hierzu befindet sich parallel zur Bremsscheibe eine weitere Scheibe am Laufrad welches mit entsprechender Sensorik zur Überwachung der Drehzahl bestimmt ist.
Erkennt das ABS System eine Auffälligkeit im Fahrverhalten, wie etwa ein still stehendes Rad, so greift dieses in den Bremsvorgang des Vorderrades ein und reduziert die Bremsleistung in engen Zyklen soweit, dass das Rad gebremst weiter dreht bis das Pedelec zum Stillstand kommt oder die Bremse nicht weiter getätigt wird.

Unsere Meinung dazu: Bei den Versuchsfahrten auf reinem Schotter sowie einem mit Schotter bestreutem Asphalt funktionierte das System tadellos. Gerade für ungeübte Pedelec Fahrer ohne Erfahrung beim Bremsen in schwierigen Situationen eine einfache und solide Sache. Bremshebel voll durchziehen und gut ist. Kein Erschrecken durch ein rutschendes Rad mit folgender Panikreaktion dürften das Unfallaufkommen mit dem Pedelec signifikant reduzieren.
Für den sportlichen eMTB Bereich hingegen sehen wir aktuell kein Einsatzbedarf. Hier muss die 100% Kontrolle beim Biker bleiben. Aber wer weiß, wie die Entwicklung seinen Lauf nimmt. Hätte ja bis vor 10 Jahren auch noch niemand gedacht, dass eMountainbiken möglich und fantastisch ist.
Über die etwas globige Bauform des ABS Konstrukts muss an dieser Stelle aufgrund der tollen Funktionalität einfach mal hinweg gesehen werden.

ABS Anlage - Foto: Bosch eBike Systems

Bremshebel Magura CMe ABS - Foto: Bosch eBike Systems

ABS Kernmodul unter dem Vorbau - Foto: Bosch eBike Systems

Foto: Bosch eBike Systems

Zusätzlicher Ring für die ABS Steuersensorik - Foto: Bosch eBike Systems



Fazit:
Alles in allem war es eine interessante und praxisnahe Veranstaltung. Es gab einige neue Produkte wie die Active Line sowie den PowerTube Akku zu sehen, die fast zu erwarten waren. Vielleicht hätten wir uns doch einen größeren Akku um die 600Wh oder gar einen neuen kleineren eMTB Antrieb gewünscht. Aber hier wird im kommenden Jahr sicherlich nachgelegt werden.
Absolut interessant in technischer sowie innovativer Hinsicht ist das ABS System. Damit hatte niemand so wirklich gerechnet, obwohl wir im Februar 2016 bereits in einer Patentrecherche, auf diese mögliche Entwicklung hingewiesen hatten.
Mit dem eMTB Modus für Performance CX Biker und dem Update des Nyon Kartenmaterials gibt es tolle Weiterentwicklungen auf welche der Endkunde leicht und günstig zugreifen kann.








Zum Feierabend noch ein Eis.
Bei 36°C im Schatten wahrlich wohlverdient.



WillLee und der Bananasplit


Weitere Links zum Thema:
- Video von DEKRA zum Bosch ABS System für Pedelecs
- Video von uns bei einer Versuchsfahrt mit dem ABS System
- Infos direkt vom Bosch zu den 2018er Produkten 
- Bosch eBike Systems 2017 - Die Zusammenfassung
- Bosch eBike Systems 2016 - Die Zusammenfassung
- Vorschau auf die Produktlinie 2015 - Bosch eBike System



Kommentare:

  1. Wäre schön wenn Bosch auch noch an die Biker denkt, die noch mit einem "alten" Performance Line Motor unterwegs sind. Auch hier wäre der eMTB Modus als Softwareupdate eine super Sache.

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  2. Hallo will lee

    Ist das neue kartenmaterial Open Cycle map oder immer noch Street ?

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